Zusammen in Hamburg

 

Einleitender Beitrag von Rien van der Vegt

 

Hamburg wurde im Rahmen der Eroberungen Karls des Großen gegründet. Im Rahmen der Christianisierung wurde schon sehr bald eine Kirche gebaut. Minderheiten wird es aber von Anfang an gegeben haben. In einer Hafen- und Handelsstadt waren Besucher aus verschiedenen Ländern, teilweise mit anderer Kultur und Gottesdienst unvermeidbar - und sogar erwünscht. Wenn man allerdings liest, wie die Wikinger schon 845 den Ort zerstörten, kann man sich auch etwas vorstellen von der Vorsicht, mit der die Hamburger oft ihren andersdenkenden Mitmenschen begegnet sind.

 

Bis zum 16. Jahrhundert war Hamburg eine katholische Stadt, mit Bischofsitz und vielen Klöstern und Kirchen. Dann wurde die Reformation eingeführt, und Mitglieder anderer Kirchen durften nicht in der Stadt wohnen oder - es war nicht zu allen Zeiten genau gleich - bekamen kein Bürgerrecht. Das galt für Katholiken, Wiedertäufer und Reformierte. In Altona, der mit Dänemark verbundenen Stadt vor den Toren Hamburgs, war das anders. Da befand sich die "große Freiheit", da wurden verschiedene Kirchen gebaut und Friedhöfe eingerichtet, und die Menschen bekamen die Erlaubnis, zu arbeiten.

 

Judentum in Hamburg

 

Seit dem 17. Jahrhundert haben auch Juden in Hamburg gewohnt. Wie die Christen waren auch die Juden keine Einheit: sie  waren eingewandert aus verschiedenen Ländern, waren kulturell nicht einheitlich und gründeten unterschiedliche Gemeinden. So war auch ihre Position in Hamburg nicht für alle gleich. Weil sie über wichtige Handelskontakte verfügten, durften Juden aus Spanien und Portugal mit besonderer Genehmigung in Hamburg wohnen. Den ärmeren Juden aus Deutschland war dies nicht erlaubt. Sie gründeten ihre Gemeinden in Altona, Wandsbek und Harburg. Bürgerrechte bekamen Juden nicht. Erst viel später, in der kurzen Zeit der französischen Besatzung, war davon zum ersten Mal die Rede. Nach 1815 wurden die Rechte ihnen wieder aberkannt, ab 1860 durften sie wieder Bürger werden - endgültig, könnte man meinen.

 

Zu der Zeit hatte Hamburg die größte jüdische Gemeinschaft in ganz Deutschland. Wichtige Rabbiner wohnten hier, aber auch säkularisierte Juden spielten in der Hansestadt eine große Rolle: als Beispiel sei hier Albert Ballin genannt. Immer gab es verschiedene Gemeinden: portugiesische und deutsche, mehr oder weniger orthodoxe. Hamburg hat große Bedeutung in der Geschichte des Reformjudentums, weil hier 1817 die erste nicht private liberale Gemeinde gegründet wurde. Es hat hier nacheinander mehrere liberale Synagogen gegeben, die auch "Tempel" genannt wurden. Von Hamburg aus erreichte die neue Bewegung die Vereinigten Staaten, wo sie sich stark ausbreitete.

 

Zerstörung und Neuanfang

 

Die Herrschaft der National-Sozialisten brachte die große Zerstörung, auch in Hamburg. Am 9. November 1938 brannten die Synagogen, viele Juden wurden  misshandelt und verhaftet. Es war dann für die meisten schon zu spät, die Stadt und das Land zu verlassen. Ab 1941 wurden mehr als 8000 Hamburger Juden deportiert nach Lodz, Minsk, Riga und Auschwitz. Dort werden sie ermordet. Nur ganz wenige überlebten.

 

Nach dem Krieg wurde von Überlebenden eine neue Gemeinde gegründet. Die war wieder eine Einheitsgemeinde, wobei die Einheit nun vor allem den Kultus betraf. Nach wie vor gab es in Hamburg Juden von sehr verschiedener Herkunft. Typisch für diese Stadt war eine bedeutende Gruppe aus dem Iran. Im Jahr 1960 wurde eine neue Synagoge eingeweiht an der Hohen Weide. Die Gemeinde ist weiter gewachsen, vor allem seit 1990 durch Einwanderung von Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Damit nahm auch die Vielfältigkeit im Judentum wieder zu. So gibt es jetzt eine Liberale Gemeinde und auch Chabad ist in Hamburg vertreten. Seit einigen Jahren gibt es eine jüdische Schule, das kulturelle Leben bekam einen Impuls als das Café Leonar und der jüdische Salon gegründet wurden.

 

Auch insgesamt hat die Vielfältigkeit der Bevölkerung in Hamburg sehr zugenommen. Nicht nur viele christliche Konfessionen und mehrere Richtungen des Judentums sind vertreten, es leben hier auch viele Muslime aus mehreren Ländern, Anhänger anderer Religionen und Menschen ohne Religion.

 

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

 

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wurde am 26. Mai 1952 gegründet. Dies war ein klarer Versuch zu einem Neuanfang, passend in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Deswegen werden im Namen der Gesellschaft explizit Juden und Christen genannt, zwei Religionen, deren Beziehung durch eine lange Geschichte von Missverständnissen und Konflikten geprägt ist, und die besonders im vergangenen Jahrhundert ein Beispiel dafür sind, wie schrecklich eine Mehrheit ihre Macht missbrauchen kann - bis zum Völkermord.

 

1951 wurde von Erich Lüth, zu der Zeit Senatssprecher in Hamburg, die Aktion "Friede mit Israel" begonnen. Lüth hatte vor allem das politische Ziel, eine Versöhnung mit dem neuen jüdischen Staat zu bewirken. Ein Jahr später erfolgte dann, nicht ganz ohne kritische Gespräche, die Gründung der "GCJZ" wie in anderen Städten und die Verbindung mit dem Deutschen KoordinierungsRat dieser Gesellschaften. Die Gesellschaft wollte gesellschaftspolitisch arbeiten, vor allem die Vergangenheit bewältigen und über die Gründe der Katastrophe aufklären.

 

Im Laufe der Zeit wurden die Ziele unserer Gesellschaft breiter formuliert, ohne dass man dabei den Namen und den Bezug auf das jüdisch-christliche Verhältnis relativierte. Wir versuchen das friedliche und bereichernde Zusammenleben von Menschen mit verschiedener Kultur, Religion und Nationalität in dieser Stadt zu fördern. Dabei richten wir den Blick, wissend um die Bedeutung der Geschichte, vor allem auf das Heute und auf die Zukunft.

 

Rien van der Vegt ist evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg

 

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